Wie eine Nonne gegen das Stigma der Periode kämpft

In Burundi wird die Periode, wenn überhaupt, im Geheimen besprochen. Das Thema ist mit vielen Vorurteilen gegenüber Frauen und Mädchen behaftet und stellt in der Öffentlichkeit ein Tabu dar. Eine Nonne will das ändern.

Von Ninon Ndayikengurukiye

Mythen über die Periode sind in Burundi weit verbreitet. In einigen Gegenden gelten Frauen während ihrer Menstruation als „verflucht“. Überall im Land weigern sich Menschen zum Beispiel, das traditionelle Maniokbrot zu essen, wenn es von einer Frau zubereitet wurde, die ihre Periode hat. In anderen Regionen ist es jungen Mädchen untersagt, während der Menstruation zu baden oder ihre Kleidung zu waschen. Erwachsene scheuen das Thema und Jugendliche können sich nur unter Gleichaltrigen austauschen. Einer Nonne stieß das sauer auf.

Schwester Philotte in Burundi hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Stigma der Periode zu durchbrechen. Wertvolle Unterstützung erhielt sie dabei von CARE. (Foto: Ninon Ndayikengurukiye/CARE)

Schwester Philotte Mukashema unterrichtet an der St.-Immaculé-Schule im ländlichen Bujumbura. Für ihre jugendlichen Schülerinnen und Schüler ist sie eine besondere Vertrauensperson, denn einmal in der Woche trifft sich die 38-Jährige mit ihnen nach der Schule und beantwortet ihre Fragen rund um Sexualität und Menstruation. „Diese jungen Menschen sind stark und können für sich selbst einstehen. Aber bei manchen Themen brauchen sie einfach ein bisschen Unterstützung und die gebe ich ihnen gerne,“ erklärt sie.

Die Schülerin Mariya sagt, als sie zum ersten Mal ihre Monatsblutung bekam, dachte sie, es sei eine Verletzung. Sie sprach mit niemandem darüber und benutzte Papier, um die Blutung zu stoppen.
Auch die 21-jährige Médiatrice erzählt von ihrem großen Schrecken, als sie ihre Periode das erste Mal bekam. „Ich hatte Angst, krank zu sein. Ich verließ die Schule und schloss mich zwei Tage in meinem Zimmer ein,“ erzählt sie. Als ihr Vater den Grund herausfand, bat er eine Verwandte, seine Tochter über die Menstruation aufzuklären.

Im CARE-Training lernte Schwester Philotte auch, Menstruationsbinden selber herzustellen. Dieses Wissen gab sie an ihre Schülerinnen weiter. (Foto Ninon Ndayikengurukiye/CARE)

Vorfälle dieser Art hörte Schwester Philotte nur allzu oft. Sie beschloss, sich selbst der Sache anzunehmen, auch wenn sie dafür bis heute viel Gegenwind bekommt. Für eine Geistliche ziere es sich nicht, über Sexualität zu sprechen. Dazu sagt sie: „Wenn Eltern die Aufklärung nicht übernehmen, dann muss es halt jemand anderes tun.“
Und Schwester Philotte hatte Glück: In ihrer Gegend führte CARE ein Projekt zur Aufklärung von Jugendlichen zu sexueller Gesundheit durch, an welchem sie teilnehmen konnte. Danach fühlte sie sich gut gerüstet, mit ihren Schülerinnen und Schülern alle Fragen, Tabu hin oder her, anzusprechen.

Der 24-jährige Novence Twagirayezu erzählt, dass er früher überzeugt war, dass es für Frauen und Mädchen unangemessen sei, sich während der Periode frei in der Öffentlichkeit zu bewegen. „Für mich war klar, dass sie sich in dieser Zeit zu Hause verstecken sollten. Aber Schwester Philotte hat mir geholfen zu verstehen, dass wir alle körperliche Veränderungen durchmachen und nichts davon unnatürlich ist. Wir dürfen einander nicht diskriminieren, das habe ich jetzt verstanden,“ sagt er.

Schwester Philotte hilft ihren Schülerinnen und Schülern, einander besser zu verstehen und sie für körperliche Veränderungen zu sensibilisieren. Davon hat auch Novence Twagirayezu (r.) profitiert. (Foto: Ninon Ndayikengurukiye/CARE)

Dank CARE lernte Schwester Philotte auch, wie sie und ihre Schülerinnen selbst Menstruationsbinden herstellen können. Diese stehen nun allen Schülerinnen kostenlos in der Schule zur Verfügung.

Schwester Philotte hofft, dass ihre Bemühungen den Alltag der Jugendlichen und vor allem der Mädchen in Burundi verbessern können. „Sexualität ist nicht unmoralisch, ganz im Gegenteil: Sie ist ein Teil von uns. Sogar einige religiöse Männer und Frauen nehmen schon am Unterricht zum Thema Sexualität teil. Wenn wir nicht darüber sprechen und das Tabu bekämpfen, machen wir uns allen das Leben nur unnötig schwer.

Unterstützen sie die Arbeit von CARE mit Ihrer Spende und sorgen Sie so dafür, dass unsere Aufklärungskampagnen noch mehr Menschen erreichen!

 

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