Hallo, Haiti! Wiedersehen macht Freude…

Ein Jahr vergeht wie im Flug, das sagt man doch immer. Und elf Monate? Die kommen mir gerade wie eine Ewigkeit vor. Elf Monate ist es her, dass ich von Haiti Abschied nahm und meinen letzten Blog schrieb. Und nun bin ich wieder hier, auf Kurzbesuch, im Flug sozusagen: Vier Tage, und jede Minute ist wie immer in Haiti prall gefüllt mit Bildern, Geräuschen und Eindrücken. Einerseits hat sich manches getan: Viele Zeltlager sind inzwischen nicht mehr da, die Menschen zurückgekehrt in ihre Nachbarschaften. Der Wiederaufbau schreitet langsam voran. Auch bei CARE sehe ich einige altbekannte Gesichter nicht mehr, mit dem Ende der Nothilfe „schrumpft“ auch unser Team ein wenig.

Sabine Wilke ist nach elf Monaten wieder nach Haiti zurückgekehrt. (Foto: CARE/ Haupert)

Andererseits scheinen die Uhren mancherorts auch stehengeblieben zu sein und ich habe zeitweise den Eindruck, auf dieselben Schuttberge, Ruinen und in dieselben traurigen Gesichter zu schauen. Jeder kennt wohl dieses Gefühl, wenn eine bekannte Umgebung so schnell wieder vertraut wird, dass man das Gefühl hat, gar nicht weggewesen zu sein. Und doch: Es hat sich einiges getan. Am ersten Tag unseres Besuches sehen wir zum Beispiel einen Brunnen in Léogâne, der nun 500 Familien mit fließendem, frischem Wasser versorgt. Ein Tropfen auf den heißen Stein? Vielleicht. Aber dieser Brunnen ist eben nicht mehr nur die Not- und Übergangshilfe, also eine der überlebenswichtigen Sachen, die CARE so lange hier gemacht hat. Er bedeutet Entwicklung, die langfristig Veränderungen schafft. Genauso die Kleinspargruppe, die vor zwei Monaten gegründet wurde und inzwischen 50 Dollar gespart hat. Die Frauen werden ihr Geld klug investieren, da bin ich mir sicher. Und dann können sie endlich auf eigenen Beinen stehen.

Judith Hoersch, Haiti-Aktivistin und CARE-Freundin, besucht Projekte in Haiti. (Foto: CARE/ Haupert)

Judith Hoersch, Haiti-Aktivistin und CARE-Freundin, besucht CARE-Projekte in Haiti. (Foto: CARE/ Haupert)

Apropos stehen: Wir sind unterwegs mit Judith Hoersch, und hinter dem Komma steht eigentlich immer Sängerin und Schauspielerin. Aber genauso gut könnte es auch heißen: Judith Hoersch, Haiti-Aktivistin und CARE-Freundin. Denn das ist sie mit voller Leidenschaft. Judith hat kurz nach dem Erdbeben mit jeder Menge Elan und Überzeugungskraft ein Hörbuch für CARE produziert. Darin lasen namhafte deutsche Schauspieler Kurzgeschichten von Gary Victor, einem beliebten haitianischen Autor. „Ich wollte mit meinen Möglichkeiten helfen und zeigen, dass Haiti auch neben all dem Leid jede Menge Kunst und Schönheit zu bieten hat“, sagt Judith. Und das ist ihr mit dem Hörbuch bestens gelungen.

Der Erlös floss in Bildungsprojekte, und die schaut Judith sich nun vor Ort an. Aber sie lernt auch jede Menge über die Herausforderungen des Wiederaufbaus, wie CARE mit Gemeinden arbeitet und warum Frauen für die Entwicklung so wichtig sind. All das wird sie bald selbst erzählen, denn Kamera, Notizbuch und Stift sind immer mit dabei.Es war übrigens das erste Mal, dass eines der Werke von Gary Victor vertont wurde. Morgen treffen wir ihn hier in Port-au-Prince und Judith ist schon ziemlich aufgeregt. Zwei Künstler, eine Leidenschaft: Haiti. Ich freue mich, dabei zu sein, nachdem ich mit Gary Victor vor über einem Jahr ein Interview für das CD-Booklet geführt habe und ihm dann das fertige Hörbuch überreichte. Jetzt schließt sich der Kreis.

Übrigens: Auf Facebook schreibt Judith von ihren Eindrücken aus Haiti und beantwortet gerne alle Fragen. Und das Hörbuch kann man auch weiterhin kaufen.

Einsatzorte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.