Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen!

von Severin Weitz, Bundesfreiwilliger in der Abteilung Kommunikation & Advocacy

Was der Klimawandel mit Corona zu tun hat, wieso die Klimakrise auch eine humanitäre Krise ist und warum wir laut sein müssen…

 

Bundesfreiwilliger Severin (links vorne) und das CARE-Team mit geballter Faust für´s Klima (Foto: Eva Marder/CARE)

Bundesfreiwilliger Severin (links vorne) und das CARE-Team mit geballter Faust für das Klima (Foto: Eva Marder/CARE)

„Die Klimakrise macht keine Pause, auch nicht während Corona“, warnte der Klimaforscher Stefan Rahmstorf in einem Artikel der taz zur Klimademo am 25.09.2020. Kurz nachdem das Coronavirus im Frühjahr Europa erreicht und nahezu den ganzen Kontinent in einen Ruhezustand versetzt hatte, sahen die Meldungen noch ganz anders aus. Berichte von leeren Autobahnen, wieder aufklarendem Wasser in Venedig und von Delfinen im Hafen von Istanbul kursierten in den Nachrichten. Eine kurze Zeit lang entflammte in mir die Hoffnung, dass die Corona-Pandemie neben all dem Leid, das sie verbreitet, zumindest einen positiven Effekt haben könnte: zur Erholung des Weltklimas beizutragen.

Doch jetzt, wenige Monate später, wird deutlich, dass diese Hoffnung wohl unerfüllt bleibt. Die Klimakrise macht keine Pause! Zumindest nicht mehr. Denn mittlerweile brennen wieder die Wälder in Kalifornien, das Eis auf Grönland und in der Antarktis schmilzt weiterhin in Rekordtempo und auch am Verhalten der Menschen hat sich nur sehr wenig geändert. Der aus der Pandemie resultierende Lockdown hat – langfristig gesehen – keinen positiven Einfluss auf die Klimakrise gehabt, sondern im Gegenteil viele aus der Klimakrise resultierende Probleme nur noch vergrößert.

Darum war es umso wichtiger, dass der Einsatz für das Klima endlich wieder auf der Straße stattfinden konnte. Denn im Gegensatz zur Klimakrise mussten die Demonstrationen von Fridays for Future – zumindest auf den Straßen – aufgrund von COVID-19 lange Zeit pausieren. Doch nun waren die Aktivistinnen und Aktivisten wieder zurück und unter ihnen auch CARE.
CARE steht für den Klimaschutz ein, CARE lebt Klimaschutz – das wurde mir ziemlich schnell bewusst, als ich meinen Bundesfreiwilligendienst im September begann.

Mit klaren Botschaften zog das CARE-Team durch die Straßen Bonns. (Foto: Eva Marder/CARE)

Mit klaren Botschaften zog das CARE-Team durch die Straßen Bonns. (Foto: Eva Marder/CARE)

Eine Woche lang war ich erst hier, als unser klimapolitischer Sprecher Sven Harmeling mit der Bitte an mich herantrat, die Klimademonstration am 25.09.2020 mit zu organisieren. Eine spannende Aufgabe! In dieser Zeit lernte ich nicht nur das CARE-Team, sondern vor allem dessen Arbeit weltweit richtig kennen: Gegen die Klimakrise zu kämpfen heißt häufig, das zu reparieren, was durch den Klimawandel zerstört wurde. Meistens trifft es dabei die Ärmsten am stärksten. Auf sie aufmerksam gemacht wird in den Medien nur selten. Die Menschen bleiben unbeachtet und leiden im Stillen. Sie sind auf die Hilfe humanitärer Organisationen wie CARE angewiesen.

Doch die Klimakrise ist nur eines der Probleme, erinnert uns Stefan Rahmstorf. Es gibt ja noch das Coronavirus. Die Klimakrise wütet häufig in Ländern, in denen die Hygiene-Standards nicht eingehalten werden können und in denen die Menschen täglich aus dem Haus müssen, um sich das nötige Geld zum Überleben zu verdienen. Im Sudan leiden beispielweise 650 000 Menschen unter den durch den Klimawandel verursachten Überschwemmungen, die ihre Häuser und ihre Lebensgrundlage zerstören. Sie müssen darum in enger besiedelte Gebiete fliehen, weshalb das Risiko, sich mit COVID-19 zu infizieren, steigt. Das Coronavirus und die Klimakrise verschlimmern also gemeinsam das Leid der Menschen im globalen Süden.

Es war also wieder dringend notwendig, für mehr Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Vielleicht sogar notwendiger denn je. Trotz Corona. Oder vielmehr wegen Corona. Denn die Pandemie und die Klimakrise hängen sehr eng zusammen.

Am 25.09.2020 war es dann endlich so weit. Über 3000 Menschen hatten sich auf der Bonner Hofgartenwiese versammelt. Mittendrin CARE – deutlich erkennbar am leuchtenden Orange der Jacken und Westen.
Kaum waren alle angekommen und mit Schildern ausgestattet, ging es auch schon los. Durch die Bonner Innenstadt zogen wir mit Abstand, aber mit einer gemeinsamen Botschaft: „Climate justice! Now!“ Natürlich waren diesmal weniger Demonstrierende unterwegs, aber wir waren nicht zu übersehen. Weder auf den Straßen überall auf der Welt, noch im Netz, wo die wichtige Botschaft ebenfalls weit und in allen möglichen Sprachen verbreitet wurde: #KeinGradWeiter #StopClimateInjustice.
Die Abschlussrede unseres Kimaexperten Sven Harmeling hatte einen dringenden Appell: Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen! Weder von der Politik, die häufig zu spät oder gar nicht handelt, noch von einem Virus, das die ohnehin schon schwierige Situation noch verschlimmert.

Sven Harmeling, Klima-Experte bei CARE, hält eine Rede nach der Demonstration. (Foto: Eva Marder/CARE)

Sven Harmeling, Klima-Experte bei CARE, hält eine Rede nach der Demonstration. (Foto: Eva Marder/CARE)

In der Zeit vor der Corona-Pandemie habe ich schon mehrfach an Klimademonstrationen teilgenommen. Es ist immer aufregend und interessant gewesen, dabei zu sein und zu sehen, wie vielen Menschen das Thema Klimaschutz auch am Herzen liegt. Doch diesmal war es irgendwie anders. Denn diesmal war ich nicht nur einer von vielen, sondern ich war mit einer Organisation dort, die sich nicht nur durch die Teilnahme an solchen Demonstrationen, sondern vor allem durch ihre Arbeit weltweit für mehr Klimaschutz und gegen Klimaungerechtigkeit einsetzt. Ich war dort mit vielen anderen CARE Mitarbeitenden, die nicht akzeptieren wollen, dass ihre Arbeit und ihr Einsatz durch die Ignoranz der Politik und durch einen Virus zerstört wird.
Denn die Klimakrise ist weit mehr als nur ein Temperaturanstieg, weit mehr als sich häufende Naturkatastrophen und weit mehr als das Sterben vieler Tier- und Pflanzenarten. Die Klimakrise ist auch eine humanitäre Krise, vielleicht die größte humanitäre Krise überhaupt und vor allem ist sie eine Krise, die wir noch verhindern, oder zumindest lindern können.

Doch wenn alle einfach so weiter machen, ist es bald nur noch eine Krise, die wir hätten verhindern können.
Damit es nicht dazu kommt, lohnt es sich zu arbeiten. An sich selbst und daran, dies auch anderen zu vermitteln. Es lohnt sich, jeden Tag aufs Neue sich selbst und andere Menschen daran zu erinnern, dass es nicht zu einer großen Klimakatastrophe kommen darf.
Es lohnt sich, laut zu sein. Laut für eine bessere Zukunft für uns im globalen Norden, aber vor allem für die Menschen im globalen Süden, die der Klimawandel und seine Folgen am härtesten treffen werden und bereits treffen. Und das ist es, woran CARE arbeitet und wofür CARE kämpft – jeden Tag!

Wir lassen uns nicht unterkriegen!

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