Wir dürfen den Tschad nicht vergessen

Carmen Tremblay ist Nothelferin bei CARE Kanada. Sie reiste vor kurzem in den Tschad und berichtet hier von ihren Eindrücken.

Nach Angaben des UNHCR befinden sich über eine halbe Millionen Flüchtlinge im Tschad. (Foto: CARE/ Brendon Brannon)

Wer kennt schon den Tschad? Über das große Land im westafrikanischen Sahel wird selten berichtet, aber ebenso wie in bekannteren Konfliktregionen befindet sich der Tschad in einer humanitären Krise und einer konfliktreichen Nachbarschaft: das Land grenzt im Norden an Libyen, im Osten an den Sudan, im Süden an die Zentralafrikanische Republik und Kamerun sowie im Westen an Nigeria und Niger. Wohin flüchten also Menschen, wenn es in den benachbarten Staaten zu Konflikten kommt? In den Tschad.

Im Frühjahr 2013 schätzte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), dass sich mehr als eine halbe Millionen vertriebene Menschen im Land befinden, dazu gehören Flüchtlinge und Asyl-Suchende aus Nachbarländern sowie Binnenvertriebene, also Einwohner des Tschad selbst. CARE arbeitet seit 1975 im Tschad und leistet sowohl humanitäre Hilfe als auch langfristige Entwicklungsprogramme. Wir versorgen vor allem die Flüchtlinge, die aufgrund der Gewalt in ihren Herkunftsländern fliehen mussten. Als ich nun einige Flüchtlingscamps im Tschad besuchte, war ich betroffen von den dortigen Begegnungen – insbesondere von der Situation der Frauen und Kinder.

Neue Flüchtlingswelle

Seit einigen Wochen herrscht erneut Unruhe in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik. Das führte zu einer neuen Welle von Flüchtlingen, die in den letzten Monaten im Tschad Obdach suchten. Laut UNHCR haben im Jahr 2013 mehr als 6.500 Menschen die Zentralafrikanische Republik verlassen, um erneuten Kämpfen, Plünderung und Instabilität zu entkommen. Bei vielen der neuangekommenen Flüchtlinge handelt es sich um ältere oder kranke Menschen, schwangere Frauen, Kinder sowie um geistig oder körperlich beeinträchtigte Menschen. Diese Neuankömmlinge kommen in bereits bestehenden Camps im südlichen Tschad unter, in denen CARE arbeitet.     „Der gegenwärtige Zustrom von Flüchtlingen hat die Ressourcen der tschadischen Camps überstrapaziert“, berichtet Bonaventure Wakara, der Länderdirektor von CARE im Tschad.

„Der Mangel an Material für Unterkünfte hatte zur Folge, dass einige Flüchtlinge fast eine Woche unter Bäumen schliefen – ohne Schutz vor Sonnenstrahlen, Wind und Regen. Wir sind besorgt um den Zugang zu Wasser, sanitären Anlagen, Nahrung und Schulen in den Camps für die wachsende Zahl an Flüchtlingen.“ Dazu kommt ein zweiter Brandherd in einem anderen Nachbarland: Das Wiederaufflammen der Kämpfe in der sudanesischen Provinz Darfur führte dazu, dass fast 30.000 Flüchtlinge sowie 20.000 tschadische Rückkehrer über die Grenze in den Tschad flohen. Im Flüchtlingscamp Goz Amer trafen wir auf eine Gruppe von sudanesischen Frauen. Viele dieser Frauen, die alleine im Camp blieben, um sich um die Kinder zu kümmern, teilten ihre grauenvollen Erlebnisse mit uns. Sie beschrieben einen Angriff auf ihr Dorf durch bewaffnete Gruppen, die in den Morgenstunden Sprengstoffangriffe auf Geschäfte und Häuser durchführten. Sie sprachen darüber, dass sie ihre Kinder in den Armen hielten und flohen. Sie ließen die wenige Nahrung und ihre Besitztümer zurück.

Ein gebeutelter Staat

Die Versorgung dieser großen Zahl an Flüchtlingen ist für den Tschad mit seinen begrenzten Ressourcen nicht einfach zu bewältigen. Auch die lokale Bevölkerung wird dadurch auf eine harte Probe gestellt. Die Lebensbedingungen im Tschad sind schwierig, es kommt immer wieder zu langen Trockenperioden und Fluten sowie zu politischen Unruhen. CARE konzentriert sich mit seiner Hilfe stark auf die Flüchtlingskrise im Tschad und lindert die Not derjenigen, die im Süden ins Land kommen. Insgesamt versorgt CARE im Tschad mehr als 58.600 Flüchtlinge im südlichen Teil des Landes und beobachtet die aktuelle humanitäre Situation im Südosten und im ganzen Land sehr genau. Sie kommen vielleicht aus verschiedenen Himmelsrichtungen. Sie haben verschiedene Gründe und unterschiedliche Geschichten, doch letztlich ist eines klar: die Notlage der Menschen im Tschad darf nicht ignoriert  werden.

CARE leistet Nothilfe für zentralafrikanische Flüchtlinge im Tschad. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Online-Spende!

Einsatzorte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.