Wirbelsturm Sandy auf Haiti: “Eine tragische Statistik”

von Elizabeth M. Campa, zuständig für Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene, CARE Haiti

Bereits vor dem Ausbruch der Cholera 2010 war die Wasserversorgung in Grande Anse schlecht. Nach dem Wirbelsturm "Sandy" leiden die Menschen besonders unter der schwierigen Situation. (Foto: CARE/Evelyn Hockstein)

Bereits vor dem Ausbruch der Cholera 2010 war die Wasserversorgung in Grande Anse schlecht. Nach dem Wirbelsturm „Sandy“ leiden die Menschen besonders unter der schwierigen Situation. (Foto: CARE/Evelyn Hockstein)

Fluten und Erdrutsche – das sind die größten Gefahren für Haiti, die durch den Klimawandel verstärkt werden. Zu diesem Schluss kommt der „Climate Change Vulnerability Index“, in dem 200 Länder danach eingeordnet werden, wie stark sie vom Klimawandel betroffen sind. Das Wüten des Wirbelsturms „Sandy“ über Haiti hat diese tragische Statistik leider aufs Neue bestätigt.

Im Gegensatz zu dem Tropensturm Isaac, der im August über Haiti hinwegzog, sind die Menschen jetzt weniger von starken Winden als vielmehr von massiven Regenfällen betroffen. In den Städten Léogâne und Carrefour sowie der südlichen Region Grande Anse, wo  CARE seit langem arbeitet,– wurden am 26. und 27. Oktober Einschätzungen zum Ausmaß der Schäden vorgenommen. Léogâne war durch seine exponierte Lage an der Küste den Fluten besonders stark ausgesetzt. Die Wassermassen überfluteten dort zahlreiche Dörfer und hinterließen 300 Familien obdachlos. Sie mussten Zuflucht in Schulen, Kirchen oder bei Nachbarn suchen, deren Häuser nicht zerstört wurden.

Kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser

Die Situation in Carrefour ist noch kritischer. Viele der 450.000 Einwohner leben noch in Übergangsunterkünften, die nach dem starken Erdbeben von 2010 errichtet wurden. 1.100 dieser Unterkünfte wurden von CARE gebaut.

Wirbelsturm Sandy hat mehr als 300 davon zerstört und 200 Latrinen, die sich gerade im Aufbau befanden. In Carrefour ist außerdem der Zugang zu sauberem Wasser sehr begrenzt. Deshalb versuchen die Menschen, an sauberes Trinkwasser gelangen und müssen dabei Flüsse überqueren, die durch das Mehr an Wasser zu reißenden Strömen geworden sind. Darüber hinaus haben viele der „Wasser-Kioske“ geschlossen. Dort konnten die Menschen bisher für wenig Geld sauberes Trinkwasser erhalten, aufgrund von Stromausfällen können viele davon aber nicht mehr weiter betrieben werden. So bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als ihr Trinkwasser aus den Flüssen zu beziehen. Diese sind aber stark verunreinigt, da vorher an vielen Stellen Schmutzwasser eingeleitet wurde.

Grande Anse mit seinen 12 Gemeinden war die am stärksten betroffene Region in Haiti. Die starken Regenfälle im Zuge des Wirbelsturms haben Brücken und Häuser zerstört. Schätzungsweise 3.000 Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt und 1.600 Menschen  mussten ihren Wohnort aufgrund der Zerstörung sogar verlassen. Viele Gebiete sind immer noch von der Außenwelt abgeschnitten. Auch auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln hatte die Zerstörung große Auswirkungen: 40 bis 50 Prozent der Getreidevorräte sind nun verloren. Das ist besonders kritisch, da die Produktion bereits vor dem Wirbelsturm aufgrund von Dürren und des Tropensturms Isaac eingeschränkt war. Nun droht Hunger.

Auch nach dem Ausbruch der Cholera 2010 war CARE vor Ort und half besonders schutzbedürftigen Menschen wie Frauen und Kindern. (Foto: CARE/Evelyn Hockstein)

Auch nach dem Ausbruch der Cholera 2010 war CARE vor Ort und half besonders schutzbedürftigen Menschen wie Frauen und Kindern. (Foto: CARE/Evelyn Hockstein)

Ausbruch von Cholera droht

Auch Cholera ist ein drängendes Problem. Grande Anse hat die höchste Anzahl von Cholera-Kranken im ganzen Land. Daher hat CARE schnell reagiert und stärkt mit seinem Partner Médecins du Monde bestehende Gesundheitszentren, baut zerstörte wieder auf und verbessert die Versorgung mit sauberem Wasser. Die weiteren Maßnahmen umfassen die Verteilung von Tabletten zur Wasserreinigung, Zelten, Wasserbehältern und Hygiene- sowie Haushalts-Kits. In Zusammenarbeit mit der lokalen Wasserbehörde DINEPA hat CARE über 5.500 Liter sauberes Wasser zur Verfügung gestellt und wird dies auch weiterhin tun, damit sich die Cholera nicht weiterverbreitet. Auf Haiti besteht oft ein enormer Mangel an sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen.

Ich habe zwölf Jahre an Entwicklungs- und Nothilfeprogrammen in Übersee mitgearbeitet. Dabei finde ich es erschreckend, wie schlecht der Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen auf Haiti trotz der Nähe zu den USA und seiner Lage inmitten einer Region, die sich schnell entwickelt, immer noch ist. Der Wirbelsturm Sandy wird nicht der letzte Sturm über Haiti gewesen sein. Wir werden weiterhin Zeuge werden, wie Naturkatastrophen das Leben und die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstören und sie unsere Unterstützung brauchen. Es ist unerlässlich, dass wir in die Verfügbarkeit von sauberem Wasser und Sanitäranlagen investieren und die Menschen in Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge schulen. So können sie sich langfristig selbst schützen und sind auf künftige Katastrophen vorbereitet.“

 

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