Wo genau liegt eigentlich Deutschland?

Bei ihrem Besuch an einer sambischen Schule stellt Valeska Homburg diesmal ihre Lehrerqualitäten unter Beweis:

Die Schüler der Kajimomo-Schule freuen sich über den Besuch des CARE-Teams. (Foto: CARE/Thomas Knoll)

Der Unterricht läuft schon, als Thomas, Marlon und ich an der Kajimomo-Schule ankommen. Alle 302 Schüler sind auf die vier Klassenräume verteilt und lernen. Einige spicken trotzdem kurz aus den Guck-Löchern nach draußen, als sie unser Auto sehen. Der Direktor der Schule empfängt uns im fünften Raum der Schule, seinem Büro. Er ist fast zwei Meter groß, trägt Hemd und Jackett und beäugt uns zunächst ein bisschen streng und skeptisch. Wir stellen uns vor, erzählen ihm, was wir vorhaben und fragen ihn, ob er mit unserem Plan einverstanden ist. Der Spaß mit den Kindern stehe im Vordergrund, erklären wir. Für die Ältesten, die Siebtklässler, wollen wir eine Schulstunde gestalten und anschließend alle zusammen Fußball spielen. Die Miene des Rektors hellt auf.

Nun erzählt er bereitwillig über seine Schule, dass sie 1999 gebaut wurde und dass insgesamt vier Lehrer hier arbeiten. Wir kommen ins Plaudern. Seine Augen strahlen. Plötzlich wirft er ein, dass in einer Region Deutschlands doch gewählt worden sei. Thomas und ich sind baff. Wir sitzen am äußersten Ende Sambias und der Schuldirektor erzählt uns von den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen.

Gleicher Lehrstoff – unterschiedliche Rahmenbedingungen

Er bittet uns, in jeder Klasse kurz hallo zu sagen, obwohl der Unterricht gerade läuft. Die Schule hat Bänke und einfachste Tische. Die Mädchen sitzen rechts, die Jungs links. Bei den Kleineren übersetzt Marlon für uns, die Größeren verstehen Englisch.

Schüchtern, aber neugierig empfangen uns die 15 Siebtklässler. Sie sind nicht alle gleich alt wie in Deutschland, aber haben alle ein ähnliches Lernniveau. Von hinten beobachten Thomas und ich, wie eine Mathestunde in Sambia abläuft. Als Tafel dient eine verputzte schwarz gestrichene Wand. Bruchrechnen steht heute auf dem Stundenplan. Der Lehrer erklärt, wie man 3/4 und 1/3 addiert. Dann sollen die Kinder in Zweiergruppen Aufgaben lösen. Eigentlich läuft das genauso ab wie bei uns. Nur die Rahmenbedingungen sind vollkommen anders. Der Boden ist staubig, der Raum dunkel. Der Klassenraum ist auf das Wichtigste reduziert – die Tafel.

Die Welt in den Händen

Jetzt sind wir dran: Thomas hat ein Lied zum Mitmachen parat. Und er hat einen aufblasbaren blauen Wasserball dabei, auf dem eine Weltkarte abgedruckt ist. Wir zeigen den Kindern, wo Deutschland liegt und werfen den Ball in die Runde.

Geographie mal anders: Valeska Homburg zeigt einem Mädchen auf einem Wasserball, wo Deutschland liegt. (CARE/Thomas Knoll)

Wer den Ball hat, darf sich vorstellen. Es ergeben sich die ersten Fragen: Wie viele Kontinente gibt es eigentlich und auf welchem Kontinent liegt Deutschland? Auf einer Deutschlandkarte erklären wir, wie unser Land wo aussieht. Thomas hat von den Kindern der deutschen Partnerschulen Fragen mitgebracht. Die wollen wissen, wie Schule in Sambia funktioniert. Wann geht der Unterricht morgens los? Welche Tiere findet man hier? Wie lang ist der Schulweg? Und was isst man hier zum Frühstück? Nur zögerlich kommen nach und nach Gegenfragen von den Mutigsten. Wie unsere Häuser und Straßen denn aussehen, wollen sie wissen. Ich stocke beim Wort Ampel und überlege, ob diese Kinder eigentlich jemals eine Ampel gesehen haben. Untereinander diskutieren sie kurz, ob man nun bei Grün oder bei Rot die Straße überqueren darf. Wir fragen, was sie später mal machen möchten. Arzt, Krankenschwester, Lehrer oder Polizist sind die häufigsten Antworten.

Sport verbindet – Land und Leute

Im Klassenraum sind die meisten Kinder schüchtern. Aber das ändert sich schlagartig, als wir nach dem Unterricht rausgehen zum Fußballspielen. Wir haben der Schule einen Fußball und einen Satz Trikots mitgebracht und überreichen dem Schulleiter beides. Die Kinder sitzen unruhig unter einem Baum und warten, dass endlich jemand den Startschuss gibt. Alle 302 Schüler sind von der Schule mit rüber zum Fußball-Platz gelaufen. Und als der Schulleiter die Trikots endlich weitergibt, geht alles ganz schnell. Ruckzuck ist das erste Team umgezogen und steht auf dem Platz.

Los geht`s! Ein Ball, ein Satz neue Trikots und jede Menge Spaß. (Foto: CARE)

Der liegt idyllisch: Ein großes Feld mit platt getrampeltem Gras, auf beiden Seiten stehen zwei aus drei Baumstämmen zusammen gezimmerte Tore. Los geht’s: Gelb gegen Grün. Die Schüchternheit ist wie weggeblasen – auch bei den Mädchen, die mindestens so engagiert spielen wie die Jungs. Es ist schön zu merken, dass es jetzt völlig egal ist, dass wir aus zwei verschiedenen Welten kommen. Die Stimmung ist ausgelassen. Nach fünf Minuten werden die Trikots an die nächsten weiter gegeben, so dass jeder mal spielen darf. Nach dem dritten Spiel müssen wir aufbrechen. Aber wir vermuten, dass das dritte Spiel noch nicht das letzte des Tages war.

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