Zwei Fragen, dann stummes Flehen

26. Januar 2012  |  Autor: (269 Artikel)
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Haoua Lankoandé leitet die Anwaltschaft von CARE Niger und berichtet über die dramatische Zuspitzung der Nahrungsknappheit.

Meine Erfahrung sagt mir, dass es höchste Zeit ist zu handeln. Die Krise hat bereits begonnen. Die ersten Anzeichen kann man überall im Land beobachten. Sie haben sich erschreckend schnell flächendeckend ausgebreitet. Zunächst sieht man es in den Städten. In meinem Fall ist das Niamey, die Hauptstadt des Nigers.

Die Menschen kommen aus den Dörfern in die Städte. (Foto: CARE/ Brooks)

Die Menschen kommen aus den Dörfern in die Städte. (Foto: CARE/ Brooks)

Nahrungsmittelknappheit erkennt man daran, dass vermehrt junge Männer und Frauen aus den Dörfern in die großen Städte kommen. Sie gehen von Tür zu Tür auf der Suche nach Arbeit. Wenn man sie fragt, was sie tun können, kommt die Antwort: „Alles, wir machen alles.“

Wenn sie dann ein zweites Mal kommen, fragen sie nach Lebensmitteln: „Klopf, klopf, haben Sie etwas zu essen? Ich habe die letzten drei Tage nichts gegessen.“

Kein Geld für Nahrung

Das dritte Mal kommen keine Fragen mehr. Eines Morgens wachst du auf und findest eine schlafende Familie auf der Schwelle zu deiner Haustür. Sie sprechen nicht mit dir, sondern blicken dich stumm an, voller Hoffnung, dass du ihnen etwas zum Essen gibst.  Wenn man ihnen etwas gibt, sagen sie Danke. Wenn du ihnen nichts geben kannst, ziehen sie betreten den Kopf nach unten, stehen langsam auf und ziehen stumm zum nächsten Haus weiter.

Das Ganze spielt sich innerhalb weniger Monate ab. Wir sind bereits in der ersten Phase, die Leute klopfen an Türen und bitten um Arbeit. Danach kommt schnell die zweite Phase, die Menschen bitten um Nahrung. CARE hat in einigen Dörfern gezählt, wie viele Männer und Frauen in die Städte abgewandert sind. Hier in Niamey sind die Auswirkungen der Nahrungsmittelknappheit offensichtlich. Die Zeit wird knapp. Wir müssen dringend handeln.

In "Cash-for-Work"-Programmen bearbeiten die Menschen das brachliegende Weideland. (Foto:CARE/Brooks)

In "Cash-for-Work"-Programmen bearbeiten die Menschen das brachliegende Weideland. (Foto: CARE/Brooks)

CARE organisiert „Cash-for-Work“ –Programme gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm. So können die Menschen aus den Dörfern Geld verdienen, um sich Lebensmittel zu kaufen. CARE finanziert auch Schulspeisungen, damit die Kinder in der Schule bleiben und nicht für Essen betteln gehen müssen. Das Anlegen von Gemeinschaftsgärten und Getreidebanken sind weitere Maßnahmen, die CARE ergreift, um Nahrungsmittelknappheit auch in Zukunft vorzubeugen.

Die Menschen kommen in die Stadt, weil sie ihre Lebensgrundlage auf dem Land verloren haben. Sie haben alles verkauft. Und sie haben kein Geld, um sich Nahrung zu kaufen. Das passiert jetzt! Klopf, klopf…

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0 Gedanken zu “Zwei Fragen, dann stummes Flehen

  1. Ich kann die verlinkten Seiten leider nicht mehr aufrufen und konnte mich jetzt nicht umfassend zum Cash for Work Programm oder den Getreidebanken informieren, aber die Zusammenfassungen der Projekte hören sich sehr sinnvoll an. Besonders die Schulspeisungen sind wichtig, damit Kinder ohne Hunger und die Not, betteln zu müssen, ausgebildet werden können. Wenn Kinder vom Lernen abgehalten werden, um für Essen zu sorgen, wird sich nie etwas an dem Kreislauf von Armut und Hunger ändern. Je besser die Menschen ausgebildet sind, desto eher kann dieser Kreislauf durchbrochen werden. Oft wird davon gesprochen, dass Hilfe zur Selbsthilfe am wichtigsten ist und dieser Meinung bin auch.

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