Zwei spannende Monate in Deutschland

Heng kommt aus Kambodscha und war zwei Monate lang Praktikant in der Presseabteilung von CARE. Am 16 Septmeber ist er zurück in die Heimat geflogen. Hier erzählt er von seiner Zeit in Deutschland.

 

Die CARE-Praktikanten verabschieden sich von Heng. (Foto: CARE)

Die CARE-Praktikanten verabschieden sich von Heng. (Foto: CARE)

Lieber Zukunfts-Heng,                                                                                                     Bonn, 15. September 2015

Ich hoffe, es geht Dir gut. Ich wünschte, ich könnte sehen, was Du gerade  machst oder wo Du gerade bist. Aber leider ist das hier das echte Leben und keiner dieser Science-Fiction Filme, die wir so oft geschaut haben. Trotzdem bin ich mir einer Sache ganz sicher: Unsere zwei Monate hier in Deutschland, oder besser gesagt bei CARE, haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, Dich zu  dem zu machen, der Du heute bist. Dieser Brief soll als Erinnerung an diese unglaubliche Reise dienen, für den Fall, dass Dein Gedächtnis langsam etwas nachlässt.

Erinnerst Du Dich an die andere Praktikantin, Christine? Du musst Dich einfach an sie erinnern: Sie hat uns vom Flughafen abgeholt, als wir in Deutschland ankamen. Sie hielt ein Schild mit unserem Namen in die Höhe. Wir waren so nervös, weil wir nicht wussten, was uns erwartet, oder wie die Leute auf uns reagieren würden. Aber Christines herzliches Lächeln gab  uns einen Vorgeschmack auf die deutsche Höflichkeit und  die dringend benötigte Sicherheit.

Erinnerst Du Dich an den Hausrundgang bei CARE? Giulia hat uns mit ein paar anderen Praktikanten von einer Abteilung zur nächsten geführt, uns allen Kollegen vorgestellt und uns die jeweiligen Aufgaben erklärt. Es war beeindruckend zu sehen, wie so eine große internationale Organisation strukturiert ist und welche komplexen Projekte und Aufgaben koordiniert werden müssen. Alles war neu für uns! Wir  wussten bisher nichts über humanitäre Hilfe und die Arbeit von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Erinnerst Du Dich an die Presseabteilung, in der wir gearbeitet haben? Sie war wie ein Zuhause für uns, oder? Dort haben wir so viel gelernt und sind über uns hinausgewachsen; dort haben wir, wann immer wir Probleme hatten, ein offenes Ohr gefunden. Ich bin mir sicher, wenn Du die Namen Johanna, Ninja, Giulia, Christine oder Michael hörst, erscheinen bekannte Gesichter vor Deinem geistigen Auge. Sie waren einfach diejenigen, die uns in der Zeit in Deutschland am nächsten standen. Trotz des vollen Terminkalenders haben sie sich immer Zeit genommen, um uns die aktuellen Aufgaben zu erklären und hatten natürlich bei Fragen stets eine Antwort parat.

Erinnerst Du Dich an die Veranstaltungen, die wir mit dem CARE-Aktionskreis  besucht haben? Wir haben uns so darauf gefreut, Berlin zu sehen. Dort haben wir die Menschen über die Arbeit von CARE informiert und Fotos und Filmmaterial für ein kurzes Video gesammelt. Berlin ist eine wirklich große und kulturell vielfältige Stadt. Es war toll zu sehen, dass alle  Interessierten, die uns angesprochen haben, trotz ihrer kulturellen Unterschiede so begeistert auf unsere Arbeit reagiert haben. Besonders viele Fragen stellten sie uns  zu unserer Flüchtlingshilfe. Mitzuerleben, wie herzlich und hilfsbereit die Deutschen die Flüchtlinge, die hier ankommen, willkommen heißen, war sehr inspirierend. Wir waren so stolz auf unsere Arbeit; wir waren so stolz auf die Deutschen, obwohl wir keiner von ihnen waren. Ich wäre sicherlich nicht überrascht, wenn Du heute in einer Hilfsorganisation arbeitest.

Erinnerst Du Dich an die gemeinsamen Abendessen mit den Kollegen? Wie viel Spaß es gemacht hat, mit so netten Leuten auszugehen! Egal ob es italienische Spaghetti Bolognese, arabischer Upside-Down Reis oder auch das typische deutsche Schnitzel waren: Immer war es eine neue Erfahrung für uns, etwas, das wir vorher nicht kannten, alleine nie gekocht hätten. Ich hoffe übrigens, dass du  heute ein besserer Koch bist! Trotz allem haben wir uns unzählige Male nach Hause, nach Mamas Kochkünsten gesehnt.

Erinnerst Du Dich noch, wie traurig wir waren, als sich unser Praktikum dem Ende neigte? Nicht mal der Gedanke an das kambodschanische Essen konnte uns aufmuntern, so traurig waren wir, dass wir gehen mussten. Deutschland ist ein schönes Land und es gibt so viel zu entdecken und zu lernen. All das Wissen und die Erfahrungen, die wir hier bei CARE gesammelt haben, sollten wir für unser Heimatland nutzen. CARE hat uns so viel gegeben und ich denke der richtige Weg, das alles zurückzugeben,  besteht genau darin: Alles, was wir gelernt haben, in die Bekämpfung von Hunger, Armut und Leid in Kambodscha zu stecken. Das ist zumindest, was ich mir für uns vornehme.

 

Ich weiß, dass Du uns alle stolz machen wirst.

 

Mit besten Grüßen,

Vergangenheits-Heng

 

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