Zwei Wochen Fußmarsch

von Alexandra Lopoukhine

7. Juli 2011. Am Rande des Ifo Camps wurden runde Häuser aus Stöcken, zerissenem Stoff und Plastikstücken erricht. Sie sind das Zuhause der vielen neu ankommenden Flüchtlinge. Heute habe ich mich mit ein paar Menschen unterhalten, die letzte Woche gerade erst eingetroffen sind.

Viele Familien mussten zwei Wochen Fußmarsch hinter sich legen, um das Camp zu erreichen. (Foto: CARE/Holt)

Sie waren aufgeregt, mich zu treffen. Vor allem die Kinder waren sehr an mir interessiert und es wurde viel gelacht. Das ist das Schöne daran, ein Mensch zu sein: Lachen versteht man in jeder Sprache.

Durch den Übersetzer jedoch wurde mir klar, wie viel Leid diese Menschen durchmachen müssen. Die Geschichten, die er mir übersetzte, brachten mich zum Weinen. Genauso wie die zahlreichen unterernährten Kinder zu sehen. Mütter warten geduldig vor der Klinik der „Ärzte ohne Grenzen“, die mitten zwischen den neu errichteten Häusern steht. Ihre Kinder bekommen sofort die Hilfe, die sie benötigen. CARE versorgt die Klinik mit Wasser. Es ist toll, eine solche Zusammenarbeit zu sehen. Schließlich können wir so unser gemeinsames Ziel – die Flüchtlinge zu unterstützen – schneller und besser erreichen.

Manche der Familien waren zwei Wochen unterwegs. Zwei Wochen! Sie haben ihre Schlafplätze irgendwo auf dem Weg gefunden, um so schnell wie möglich weiter zum Camp laufen zu können. Die Kinder sind so viel dünner, als sie es in ihrem Alter sein sollten. Eine der Geschichten, die mir erzählt wurden, war wirklich schrecklich: Eine Mutter nahm, als sie an der Klinik ankam, ihr Baby aus dem Tuch auf ihrem Rücken. Es war tot. Gestorben, ohne dass sie es überhaupt gemerkt hat. Es ist unvorstellbar, welche Seelenqualen sie erleiden muss. Ein anderer Mann, der in perfektem Englisch mit uns sprach, berichtete, dass er seit 1991 auf der Flucht ist. Unter den Neuankömmlingen ist auch sein Großvater.

Für mich ist es ein Privileg, hier Zeit mit diesen starken Menschen verbringen zu dürfen, mit Flüchtlingen zu sprechen und ihre Geschichten zu hören. Heute hat mich jemand darum gebeten, der Welt diese Geschichten zu erzählen, das, was ich hier sehe und höre, mit der Welt zu teilen. Deswegen danke, dass Sie meinen Blog lesen.

Einsatzorte

2 Gedanken zu “Zwei Wochen Fußmarsch

  1. Liebe Frau H.,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich kann nachvollziehen, dass die Situation der Flüchtlinge in Dadaab Sie sehr traurig macht. Natürlich sind wir alle bis zu einem gewissen Grad machtlos, denn wo Regierungen ihren Bürgern keinen Schutz bieten können und Konflikte und Dürren das Leben unmöglich machen, dort müssen Menschen fliehen. Dann springen Hilfsorganisationen wie CARE ein.

    Ich war selbst im August für mehrere Wochen im Lager von Dadaab, und möchte Ihnen davon etwas mitbringen, das man nicht so häufig im Fernsehen sieht: Die Hilfe kommt an, und die mittlerweile knapp 500.000 Flüchtlinge zeigen wahre Größe und Würde dabei, ihren Alltag zu bewältigen. Gemeinsam mit den Hilfsorganisationen arbeiten sie täglich daran, das Leben im Lager erträglich zu machen. CARE hat etwa Flüchtlinge als Lehrer und Nahrungsverteiler ausgebildet, viele engagieren sich in ihrer Nachbarschaft. Die Hoffnung bleibt, eines Tages ins eigene Land zurückzukehren. Und bis der Tag kommt, brauchen die Menschen Nahrung, Wasser und eine Unterkunft, aber eben auch Bildung und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Um all das bemüht sich CARE vor Ort und dafür benötigen wir weiter Hilfe von Menschen wie Ihnen, denen die Bilder aus dem Fernsehen nicht aus dem Kopf gehen.

    Zu Weihnachten bietet CARE im Online-Spendenshop ein großes Überlebenspaket, das Flüchtlingsfamilien hilft. Hier gibt es mehr Infos: http://bit.ly/u4jWdn

    Mit besten Wünschen für ein friedvolles Weihnachtsfest!

    Herzlichst, Sabine Wilke (Pressesprecherin CARE Deutschland-Luxemburg)

  2. Ich lese diese Berichte und mir stehen die Tränen in den Augen. Ich bin auf diese Seite gestoßen, weil ich gerade einen langen Bericht über das Flüchtlingslager im Fernsehenen gesehen habe und mich im Internet zusätzlich informieren wollte. Nachdem ich eine längere Diskussion mit meinem Mann darüber geführt habe, warum man das Übel nicht an der Wuzel bekämpft, wollte ich mir halt im Netz ein Urteil bilden. Alleine von den Beiträgen schießt es mir die Tränen in die Augen. Man ist so machtlos, was mich unendlich traurig und so wütend macht.

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