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Zwischen Asien und Afrika, zwischen Sintfluten und Dürren

Von Thomas Schwarz

Ein Blog für Kopenhagen

Der Himmel über Nairobi – wird es Regen geben? (Foto: CARE/Freccia)

Vergangene Nacht, bevor ich ins Bett ging, sah ich einigermaßen hoffnungsvoll zum Himmel. Es sah aus, als ob der Himmel Nairobis komplett mit Regenwolken verhangen sei. Hoffnung keimte auf, bei mir, aber vermutlich noch mehr bei den Einwohnern der kenianischen Hauptstadt. Endlich Regen! Das wäre es, nach Monaten von trockenem Boden, austrocknenden Brunnen und gleichzeitig befürchteten Fluten. Denn wenn das Wasser endlich kommen sollte, auf das alle warten, könnte es „zu plötzlich“ und zu schnell kommen. Die Zeitungen hier sind voll von Warnungen vor El Nino.

Das würde bedeuten, dass – in einem solchen Fall – viel zu viel Wasser in viel zu kurzer Zeit vom Himmel herunter regnet. Die vollkommen ausgetrocknete und harte Erde könnte dann das viele Wasser nicht aufnehmen: Fluten wären die Folge. Das hat nicht nur Folgen für die ohnehin armen Bevölkerungsschichten in Kenia. Es würde auch die gesamte Wirtschaft des Landes in einen Negativstrudel reißen. In den Jahren 1998 und 1999 hat La Nina mindestens 16 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) weggefressen – in jedem der beiden Jahre. Damals gab es statt eines erwarteten Wachstums von 4,6 Prozent ein Minus von 0,3 Prozent. Und das wiederum trifft immer die Ärmsten der Armen.

Lebensmittel teurer, Krankheitsrisiken höher

Schon jetzt spüren besonders die Armen die Dürre: Lebensmittel werden teurer – entweder, weil sie knapp geworden sind oder weil skrupellose Geldmacher die Lebensmittel schon jetzt verteuern – im Vorgriff auf die zu erwartenden Ernteausfälle. Dabei lebten 2001 – eine Zahl, die die Zeitung „The Nation“ heute nannte, 56 Prozent der Kenianer unterhalb der Armutsgrenze. Einer dieser Menschen, der hinter diesen unvorstellbaren, anonymen Zahlen steht, sprach mich heute im Stadtzentrum an: „Sind Sie Journalist?“, fragte er. Ich hatte ein paar kenianische und englische Zeitungen unter dem Arm, die ich gerade gekauft hatte. „Nein, warum? Weil ich Zeitungen lese?“ Wir lachten beide. Dann sprach er einfach drauf los. Er komme aus Simbabwe, berichtete von seiner Flucht aus diesem Land und davon, dass er in Matare lebe, einem Slum in Nairobi. Er bettelte nicht, bat mich um nichts, schilderte nur die Lage, über die ich ja in meinem ersten Blogeintrag aus Kenia schon berichtet habe. Er zeigte mir eine kleine Tüte Milchpulver, die er irgendwoher bekommen hatte – für eines seiner Kinder.

Parallel zur Befürchtung einer weiteren Dürre und heftigen Niederschlägen wird die Gefahr von Krankheiten eben durch erwartete massive Regenfälle diskutiert. Die Kenianer fürchten, dass es wieder viel mehr Malaria geben wird, wenn es zu El Nino kommen sollte. Denn gerade stehendes Wasser und große Hitze lassen die Moskitos aggressiv werden. Dass es zu wenig Medikamente gibt, ist hier jedem klar. Eine neue Studie, über die in den Zeitungen hier berichtet wird, besagt: Etwa 40 Prozent aller Krankheiten werden durch Veränderungen der Umwelt provoziert. Diese Studie ist Ergebnis einer großen Konferenz in Libreville, Gabon, im vergangenen Jahr. Dort hatte man begonnen, sich mit den Auswirkungen der Klimaveränderungen auf Gesundheit – bzw. Krankheiten – zu beschäftigen.

Deutschland und Europa helfen, Wasser zu sammeln

Wenn es uns reichen Länder auch nicht aus unserer Verantwortung für das weltweite Klima entlässt: Es ist dennoch gut zu lesen, dass es hier bereits Hilfen gibt – für den Fall heftiger Regenfälle. Gestern haben die neue deutsche Botschafterin Margit Hellwig-Bötte, der Chef der Europäischen Kommission hier und ein kenianischer Minister ein Abkommen unterschrieben. Mit Geldern aus Deutschland und Europa wird geholfen, „El Nino-Regen“ aufzufangen, damit er nicht einfach in den Flüssen verschwindet und Fluten verursacht. Wenn alles gut geht, so heißt es, könnten bis zu 70 Prozent dieses Regens gesammelt werden. Das wäre gut und hilfreich im Falle zukünftiger Dürren. Gleichwohl gibt es weit mehr zu tun. Vor allem, das wird mir hier wieder besonders klar, müssen die reichen Länder zu einer Übereinstimmung bei der großen Klimakonferenz in Kopenhagen kommen. Zeit haben wir jedenfalls keine mehr, noch mehr noch weiter auf die lange Bank zu schieben.

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